Nationale Hauptschlagader

Algerien, das zweitgrößte Land Afrikas, erlebt aktuell einen Wirtschaftsboom. Anlass genug für die Nordafrikaner, in den Ausbau ihrer Infrastruktur zu investieren. Das größtes Projekt ist die „Transmaghrébine“, eine Autobahn von über 1.200 km Länge: In nur dreieinhalb Jahren entstand die fast durchgängig 3-spurige Trasse parallel zur Mittelmeerküste. Es ist der algerische Teil einer nordafrikanischen Verkehrsader, die Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen verbinden wird. Nach europäischen Standards haben die Planer die Fahrbahn dimensioniert und realisiert. Die Ausführung legten sie in die Hände algerischer, chinesischer und japanischer Konsortien. Die überließen einen Großteil der Verdichtungsaufgaben den Walzen von Hamm. So waren überall im Land zahlreiche Gummiradwalzen und Tandemwalzen der Serie HD und HD+ auf der ungewöhnlich langen Autobahnbaustelle zu finden.

Algerien ist reich an Öl und Gas. Dauerhaft hohe Preise für diese fossilen Brennstoffe bescheren dem Land einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Staat freut sich über hohe Einkünfte und investiert einen Teil des Geldes in ein ehrgeiziges Projekt zur Modernisierung der Infrastruktur, die Transmaghrébine. Ein zügiger Baufortschritt war der algerischen Regierung wichtig, um schnell so viele Menschen des Landes wie möglich an die neue „nationale Hauptschlagader“ anzubinden. Immerhin durchquert die Trasse 24 der 48 algerischen Wilayas (Verwaltungsbezirke). Und das in einem Land, in dem 85 % der Transporte auf dem Landweg abgewickelt werden.

1.216 km in 40 Monaten

Nur rund 3 1/2 Jahre sollte der Bau der Autobahn dauern. Diesen Mammut-Job konnte die algerische Bauwirtschaft nicht aus eigener Kraft stemmen. Deshalb vergab die Regierung den Auftrag zum Bau von rund 650 km im Westen des Landes an CITIC-CRCC, ein chinesisches Konsortium. Die etwa 400 km lange Strecke im Osten des Landes baute COJAAL (Consortium Japonais pour l‘Autoroute Algérienne), ein japanisches Konsortium. Die rund 150 km rund um die Hauptstadt Algier wurden von algerischen Firmen ausgebaut bzw. erweitert.

Viele Firmen – ein System

Trotz der vielen Firmen und Beteiligten ist der Fahrbahnaufbau der neuen Autobahn auf der gesamten Strecke identisch: Auf eine 30 cm starke HGT (hydraulisch gebundene Tragschichte) wurde eine 14 cm starke Tragschicht gebaut. Abschließend erfolgte der Einbau der Deckschicht mit einer Höhe von 6 cm. Die Gesteinskörnungen hierzu kamen aus Algerien, denn das Land verfügt über viele Steinbrüche, insbesondere im Norden. Die Bindemittel hingegen wurden aus Amerika importiert.

Autoroute de l‘Est à l‘Ouest: Der Mega-Wirtschaftsmotor

Es ist ein einmaliges Projekt: Die Autobahn „Transmaghrébine“ durchquert ganz Nordafrika von Marokko bis Libyen parallel zur relativ dicht besiedelten Mittelmeerküste. Diese Achse eröffnet mehr als 50 Millionen Menschen die Anbindung an Städte, internationale Flughäfen, Seehäfen und wichtige Bahnlinien.

Algerien zeichnet mit 1.216 km für den längsten Streckenabschnitt dieser Trasse verantwortlich und investiert insgesamt 11 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur. Rund 200 Kilometer Autobahnen rund um die Hauptstadt Algier existieren bereits seit den 1990-er Jahren. Alle anderen neuen Abschnitte wurden in beiden Fahrtrichtungen 3-spurig gebaut. Mit dieser Dimensionierung schafft die algerische Regierung jetzt schon die Kapazitäten, um dem rasant steigenden Fahrzeugaufkommen gerecht zu werden. Die Strecke verläuft in Algerien entlang der Nordseite des Tellatlasgebirges und durchquert einige Hochplateaus. Die Streckenführung durch das bergige Gelände war wegen zahlreicher Tunnel und Steigungsstrecken recht anspruchsvoll für die Straßenbauer.

Nach Fertigstellung aller Abschnitte kann man Algerien, das zweitgrößte Land Afrikas, in nur 10 Stunden durchqueren. Damit sind die großen Städte in wesentlich kürzerer Zeit und erheblich sicherer als bislang zu erreichen. Die neue Infrastruktur eröffnet den Menschen und der Wirtschaft zahlreiche neue Möglichkeiten. Fachleute schätzen, dass langfristig zehntausende von Arbeitsplätzen direkt und indirekt im Zusammenhang mit der Autobahn entstehen werden.

Planmäßig Qualität

Detaillierte Maschineneinsatzpläne und Walzschemata regelten die Position und Häufigkeit der Überfahrten mit den Walzen auf der 11,50 m breiten, dreispurigen Fahrbahn. Dazu war immer ein Team aus Tandem- und Gummiradwalzen hinter den Vögele-Fertigern im Einsatz. Als erstes verdichteten Tandemwalzen von Hamm den Fahrbahnbelag. Je nach Baulos wurdenhierfür die Walzen der HD-Serie oder die ganz neuen, 12 t schweren Tandemwalzen HD+ 120 verwendet. Dahinter waren jeweils mehrere Gummiradwalzen vom Typ GRW 18 eingesetzt. Beim Verdichten der Tragschicht waren sie mit „nur“ 18 t ausgestattet. Für das Verdichten der Deckschicht brachten sie mit Zusatzgewichten 25 t auf die Waage.

Komfortabel verdichten mit der HD+ 120

Absolutes Highlight für die Bediener war die neue HD+ 120. Sie wurde in Algerien in der für heiße Länder üblichen, offenen Version mit ROPS-Dach eingesetzt. Die Walzenfahrer freuten sich über das moderne, kompakte Arbeitsgerät mit den hervorragenden Sichtverhältnissen. Schnell merkten sie: Der „Arbeitsplatz HD+“ ist sehr komfortabel, denn keine andere Maschine bietet den Bedienern eine solche Bewegungsfreiheit auf der Plattform. Beim Verdichten entlang der Kanten nutzten sie gerne die Sitzverstellung. Ein einfach zu bedienender Verstellmechanismus ermöglicht das seitliche Verschieben und die Sitzdrehung um 90°. So konnten die Bediener die ausgezeichnete Sicht auf die Bandagenkante und das Maschinenumfeld erleben, und dabei in jeder Sitzposition den kompletten Überblick über die Bandagen und die Wasserberieselung behalten.

Internationales Team profitiert von sprachneutraler Bedienung

Auf der Transmaghrébine war ein internationales Bedienerteam im Einsatz. Auf den Maschinen saßen Männer aus Algerien, Malaysia, Indien, Bangladesh, China und Vietnam, die Bauleitung hatten – je nach Bauabschnitt Algerier, Japaner oder Chinesen. In einem solchen Umfeld zeigte sich die Stärke der sprachneutralen Ausstattung der Bedienkonsole, wie sie Hamm schon seit langem baut. Die selbsterklärende Bedienung und die übersichtliche Anzeige aller wichtigen Betriebsdaten mit eindeutigen Symbolen machten das Verdichten für die Bediener sehr einfach und trug so mit zur Qualität der Fahrbahn bei.

Alle Wege führen nach Algerien

Die Asiaten brachten ihre Hamm-Walzen auf unterschiedlichsten Wegen nach Algerien: Einen Teil der Maschinen verschifften sie aus der Heimat ans Mittelmeer, andere wurden von Projekten in Asien oder Afrika abgezogen und über die Straße in den Maghreb transportiert. Zusätzlich wurden zahlreiche Neumaschinen von Deutschland direkt nach Algerien geliefert.

Service – weltweit und total

In diesem internationalen Umfeld und bei dem hohen Zeitdruck legten die Baufirmen großen Wert auf einen schnellen und zuverlässigen Service. Bei Demdistral S.p.A., dem Hamm-Händler in Algerien, war diese Aufgabe in guten Händen. Die Baumaschinenprofis pflegen einen intensiven Kontakt zu den Teams entlang der neuen Autobahn. Vom Standort Algier oder ihrer Depandance nahe Constantine im Osten des Landes bedienen sie die Firmen mit Serviceleistungen und Ersatzteilen. Serviceingenieur Abdelhak Fodil ist in den Camps entlang der Trasse gern gesehener Gast und Berater. Er kümmert sich um die Beschaffung der richtigen Ersatzteile zum richtigen Zeitpunkt. Auf der Baustelle von COJAAL, dem japanischen Konsortium, kümmert sich Mr. Murata, Serviceingenieur von Wirtgen Japan, um die Wartung und Instandhaltung. Er und Abdelhak Fodil arbeiten hervorragend zusammen. Das Resultat erkennt man unter anderem an der hohen Verfügbarkeit der Hamm-Walzen. „Der Ersatzteilservice hier auf der Baustelle funktioniert wunderbar. Und die Zuverlässigkeit der Hamm-Walzen ist uns außerordentlich wichtig, damit wir unsere vertraglichen Pflichten einhalten können“, resümiert Serviceleiter M. Nakashima von COJAAL die Situation. Er weiß, wovon er spricht: „Wir legen großen Wert auf die Pflege und Instandhaltung der Walzen. Jeden Tag überprüfen die Bediener die wichtigsten Funktionen und grundlegende Dinge wie den Ölstand. Außerdem führen wir nach 250 Betriebsstunden regelmäßig eine Wartung mit Verschleißcheck durch. Dadurch sind die Walzen immer gut in Schuss und wir vermeiden Maschinenausfälle. Während der planmäßigen Wartungen stehen Ersatzmaschinen bereit, so dass der Autobahnbau ungestört weitergehen kann.“

Bahn frei für die nächsten Projekte

Mitte 2010 war die Autobahn in weiten Teilen wie geplant nach 40 Monaten für den Verkehr freigegeben. Als nächstes werden Tank- und Raststätten gebaut, um die Kraftstoff-Versorgung der Reisenden sicherzustellen. Aber für die Hamm-Walzen geht die Arbeit weiter: Viele Maschinen werden in Algerien verbleiben. Man braucht sie für den Bau einer zweiten Ost-West-Verbindung etwa 350 km südlich der neuen Trasse. Außerdem soll eine Nord-Süd-Achse von Algerien bis nach Nigeria entstehen, die durch die Wüste weit in den afrikanischen Kontinent hinein führt. Es bleibt also noch viel zu tun für die orangefarbenen Hamm-Walzen auf dem Schwarzen Kontinent.

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